Vortrag von Reinhard Knodt zu einer Ausstellung von Alfred Banze
im Körnerpark Berlin
10. August 2007
Meine sehr verehrten Damen u. Herren, liebe Freunde,
wenn in einer warmen Sommernacht die Grillen zirpen, dann stimmt uns das gelegentlich sehnsüchtig. Wir denken uns allerlei Geschichten aus, die in einer solchen Sommernacht passieren könnten und fühlen uns irgendwie verbunden mit dem All oder der großen Natur.
Wenn man nun Grillenlebendfutter in der Zoohandlung kauft, sie in Plastikkäseschachteln packt und zwei davon zu einer Art Kopfhörer zusammenbastelt, dann hat man einen typischen Kommentar des Künstlers Alfred Banze auf unsere Sehnsüchte, wie aber eben auch auf unser technisches Weltverhältnis. „Genau das sind wir!“, scheint uns Alfred Banze zu sagen. Heillos sentimentale Schwärmer, die in Filmen digitalem Grillenzirpen lauschen, während wir die Natur (sprich: die Tierchen) längst n eine rt Lebendfutter für unsere Zwecke verwandelt haben... ...weiterlesen... »
Alfred Banze macht also aus unseren Träumen und Sehnsüchten einerseits und aus digitaler Technik andererseits Objekte die beide Seiten einer lustvollen, gelegentlich aber auch ernüchternden Erkenntnissen aussetzen. Gerade die Grillen nämlich.... – aber bei denen will ich jetzt nicht länger bleiben.
Ich begrüße Sie sehr herzlich, danke dafür, hier sprechen zu dürfen. Als ich selber Alfred Banze zum ersten Mal wahrnahm, sah ich ihn in einem Film über weltweite Paradiesmythen bis fast zum Hals in einem blütenbestreuten Teich sitzen und aus einem meiner eigenen Bücher etwas vorlesen. Die Szene hatte etwas derartig verzweifelt Komisches, dass sie all meinen Ansprüchen an die rätselhafte Arbeit zeitgenössischer Künstler entsprach und dass ich daher sofort wissen wollte, was das für ein Mensch sei. Nach und nach brachte ich Folgendes heraus:
I. Grundsätzliches
Alfred Banze ist geboren in der Nähe Kassels, dort wo die Märchen der Gebrüder Grimm zur örtlichen Folklore gehören, Rotkäppchen und der Wolf sich herumtreiben und wo in Fritzlar Bonifatius die germanische Welteiche gefällt haben soll. (Sie issen vielleicht, dass nach germanischem Mythos diese Welteiche Ygdrasil so konzipiert war, dass sie den Himmel stützte, dass oben die Götter und in den Wurzeln die Zwerge hausten, während der Mensch eine Zwschenstellung auf der Erde hatte. Als Bote diente ein Eichhörnchen, dass zwischen Menschen und Göttern umherkletterte) Gleich nach dem Abschluss des Kunststudiums nach Berlin gekommen, wurde Alfred Banze sehr schnell zum Weltreisenden. – eine Art „Research Artist“, der sich im Wesentlichen auf Sehnsüchte und Träume spezialisiert, diese aber mit unserem technischen Welt konfrontiert und dabei sozusagen den Alltag der Menschheit als das eigentliche Abenteuer nimmt. Er arbeitet zusammen mit Künstlern aus allen Erdteilen, macht Workshops mit Jugendlichen, Alten Kranken, Gesunden, und bringt das, was entsteht, von einem Ort der Welt zum andern. Er ist also auch eine Art Kunstbotschafter oder Kulturdolmetscher.